Konrad Paul Liessmann – Verantwortung in einer komplexen Welt

Im Folgenden möchte ich gern die wichtigsten Inhalte aus  Sternstunde Philosophie Konrad Paul Liessmann – Verantwortung in einer komplexen Welt aufzeigen und eigene ergänzende Gedanken einflechten. Es sei mir verziehen, dass sich die Zusammenfassung nicht an der Gesprächsführung orientiert.

Begriff Verantwortung

Verantwortung bedeutet vom Wort her: Antwort auf eine Frage geben. Es ist somit eine soziale Konstellationen die uns zwingt eine Frage zu beantworten, meist eine Entscheidung zu begründen. Um dies zu tun benötigen wir zum einen Wissen über die Hintergründe und Folgen unserer Entscheidung als auch einen Zwang zur Antwort.

Dies wirft die Frage auf, wer die Macht besitzt uns eine Antwort abzuverlangen und woher wir Wissen über die Folgen einer Handlung haben bzw. was ist, wenn ich dieses Wissen nicht habe.

Eine andere Seite ist es Verantwortung zu übernehmen. Also die Legitimation zu besitzen Entscheidungen für andere zu treffen. Dies kann ich durch Wissensvorsprung oder durch die Legitimation innerhalb der sozialen Konstellation erlangen. Somit beanspruche ich Macht, wenn ich Verantwortung übernehme. Dabei kann es zu Selbstüberschätzung kommen.

Eigenverantwortung – Verantwortung als Einzelner

Verantwortung eines Einzelnen. Im Alltag bei unmittelbar wirksamen Entscheidungen kann ich oft die Wirkungskette meiner Entscheidungen übersehen. Ich kann gegenüber mit selbst Verantwortung übernehmen, indem ich mir gegenüber selbst rechtfertige.

Was kann ich gegenüber mir selbst verantworten? Muss ich meine Meinung verantworten? Sind wir verantwortlich für unser Denken? Wir können nicht beeinflussen wie sich unsere geäußerten Gedanken weiterverbreiten und wie sie sich ändern werden, aber sie können enorme Wirkung entfalten (bspw. Antisemitismus). Aristoteles betonte das wir für unsere Tugend selbst verantwortlich sind, was aber nur die Handlungen und nicht das Denken sein, doch unsauber argumentiert heißt es: Achte auf deine Gedanken, Sie werden deine Wort, … (möglicherweise von Charles Reade) . Verantwortung können wir nur übernehmen, wenn wir Ansprüche an uns selbst haben. Haben wir folglich auch die Pflicht zu Ansprüchen?

Die Gesellschaft schafft Rahmenbedingungen, die es uns ermöglichen uns zu entfalten und uns abzusichern. Fordern wir mehr Eigenverantwortung so meinen wir eigentlich mehr Freiheit. Trotzdem oder gerade deswegen müssen wir aber auch das Risiko in Kauf nehmen. Jeder Mensch möchte Verantwortung abgeben. Dies kommt dem Urzustand – der Geborgenheit – aus frühster Kindheit am nächsten. Dies kann mit freiwilliger Knechtschaft beschrieben werden. Ein Grund kann unsere Arbeitsteilung sein, die es uns ermöglicht Verantwortung an Experten abzugeben, oft würde sie aber nur als oberflächliche Begründung genutzt um der Verantwortung zu entgehen. Im sogenannten Nanny State ist der Staat für den Menschen, wie für ein Kind, verantwortlich.

Verantwortung im Kollektiv

Wie verhält es sich bei der Verantwortung bei kollektiven Handlungen wie etwa dem Autofahren? Hier argumentiert Herr Liessmann, dass die Handlung von nur einem ausgeführt nicht problematisch sei. So gäbe es bei nur einem Autofahrer keinen Klimawandel. Hier kann man klar entgegensetzen, dass die Handlung des hypothetischen Individuums sehr wohl unverantwortlich sein kann, da es millionen Jahre alte Energiereserven ineffizient verschwendet.

Später argumentiert er, dass wir trotzdem auch im Kollektiv für die Kollektive Wirkung Verantwortung tragen. Den der einzelne könnte als Vorbild dienen. Schließlich muss es auch ein „Vorbild“ für diese kollektive Handlung gegeben haben. Folglich müsse es auch andere Vorbilder geben, welche Ihre Umgebung dahingehend beeinflussen, um so den aktuellen Pfad zu verlassen.

Dagegen steht die Frage, ob wir als einzelner uns dafür frei entscheiden können. Je nach Strömung kann die vollständige Unabhängigkeit (Sartre) angenommen werden oder es wird der Gruppendruck berücksichtigt. (Befehlsnotstand [bekannt aus Verteidigung von KZ Wächtern]). Dabei soll es oft passieren, dass im Kollektiv oft nur einzelne als Symbol geopfert werden, statt die Rahmenbedingungen zu verändern.

Neben dem Einzelnen ist in einem Kollektiv wird besprochen tragen auch diejenigen,welche die Regeln und Rechte bereitstellen Verantwortung, da sie die Macht beanspruchen über die Art und das Ausmaß der Handlung zu bestimmen.

Doch wem gegenüber muss ich mich verantworten, wenn ich bspw. beim Autofahren mit meinen eigenen Maßstäben im Reinen bin? Neben den Regelsetzenden werden hier die Betroffenen (wirtschaftl.: Stakeholder) genannt. Diese werden in der Regel durch Anwälte vertreten, welche auch über das notwendige Wissen verfügen müssten. Dies können bei Tieren bspw. Umweltorganisationen sein. Und bei unserer Verantwortung gegenüber der Zukunft die Anwälte der noch nicht geborenen Generationen.

Diesen Ansatz finde ich hoch interessant. Dies wäre ein entgegengesetzter Generationsvertrag. Nicht mehr sind wir der und vorausgehenden Generation verpflichtet sie mit der Rente zu entlohnen, sondern wir wären auch der nachfolgenden Generation verpflichtet, ihr die Welt so zu hinterlassen, dass sie gut leben können (bzw. unsere Rente zahlen können ;-)) Dies würde doch den Fokus in der Politik deutlich von dem Ausharren verlagern und so den Fokus vielleicht sogar mehr in die Mitte der Alterspyramiede verschieben.

Der Philosoph Hans Jonas vertritt die Theorie, dass wir für das notwendige Wissen um unsere Zukunftsverantwortung Prognosen aufstellen müssen und nach den Worst-Case Szenario handeln sollen Im Gespräch wird erörtert, dass dies in der Praxis selten umgesetzt wird, da Chancen mit betrachtet werden müssen und diese auch genutzt werden wollen. Trotzdem ist es philosophisch für Konrad Paul Liessmann nicht begründbar, warum man sich für eine vertane Chance rechtfertigen bzw. verantworten müsste.

Kritik an dem im Iterview geschilderten Wissensbegriff

Gefährlich ist an dieser Stelle der Glaube, dass es eine Wahrheit gäbe und wenn wir diese kennen würden, so könnten wir richtig handeln. Dem stellt sich äußerst deutlich und einfach erklärt Karl Popper entgegen. (Auch ein tolles Interview bei 3sat über YouTube [Teil 1 verschollen] auffindbar)

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