GEO fällt auf Mainstreamniveau

Bild: Direkt von geo.de aus dem Pressebereich

Voller Freude, die Dezemberausgabe der GEO aufgeschlagen mit dem Thema Digital macht schlau!. Eigentlich hätte schon der Titel darauf aufmerksam machen müssen, dass hier keine Fakten beleuchtet werden, sondern einfach eine These begründet wird. Dass der Inhalt dann aber tatsächlich so schlecht recherchiert und einseitig beleuchtet ist, erschreckt dann aber doch für das ansonsten (nach meiner Meinung nach) sehr solide Geomagazin.

Ich möchte dabei gar nicht sagen, dass die groben Thesen und Forderungen Artikel alle falsch sind, sondern einfach nur dass er inhaltlich leider gar nicht zu überzeugen vermag. Falls jemand von Quellen zu Thesen von diesem Thema hat, würde ich mich sehr über einen Tipp freuen, um mir eine bessere Meinung bilden zu können.

Nun aber ein kleines Beispiel an Fehlern, die passieren, wenn man sich oberflächlich in ein ein vollkommen unbekanntes Thema einarbeiten muss (und zusätzlich seine Quellen nicht angibt):

  • Lehrpläne lassen keinen Platz für andere Unterrichtsformen – tatsächlich steht in Sachsen an keiner Stelle die Lernform, eher werden konkret Kompetenzen gefordert. Lehrbücher sind nicht der Lehrplan, also nicht verbindlich. Deutsche Lehrpläne existieren nicht, sondern je Bundesland verschiedene welche grundverschieden sein können.
  • Cornelsonverlag als Voreiter – offensichtlich hat der Dachverband schon viel länger eine Plattform, hier hätte die Werbung für den Verlag ausbleiben können.
  • Unsachliche pöbelnde Kommentare von Interviewten Lehrern, dass die meisten wohl einfach zu doof seien den Anschalter eines Gerätes zu finden.
  •  Computer führen zu digitaler Demenz meint, dass die Aufmerksamkeitspanne reduziert wird, was entscheidende Nachteile im Lernerfolg hat. Goethes Werther hat wenig damit zu tun, genau mit diesen Beispiel kann auch behauptet werden, dass Computerspiele zu Amokläufen führen. Diese Streitfrage hat aber wie im Text nichts mit der Ausgangsthese des Autors zu tun. – Diese dialektischen Kniffe hätte ich nicht erwartet.
  • „Open-Source-Programmiersprache“ sei Weltsprache des Internets der Dinge. Der Satz ist inhaltlich falsch und aussagelos. Mensch-Maschine Interaktion ist aktuell weder Open Source noch genormt. Programmiersprachen sind Befehle für Maschinen. Maschinen kommunizieren über Protokolle, sie programmieren sich i.d.R. nicht gegenseitig. Für den Laien vielleicht ein toller Satz mit vermeitlicher Schlussfolgerung, für den Praktiker aber besonders in der Bedeutung ein wesentlicher Unterschied.
  • „digitales Lernen kaum erforscht“ – Hier ist das Standardwerk dazu, welches ich an der FernUni in einem eigenem Modul zum „kaum erforschten“ Thema durchgearbeitet habe.
  • Google führt dazu Informationen zu Vergessen, Wissen würde nicht mehr benötigt. – Das ist in Sich falsch, da Wissen die Stufe nach der Information ist (Wissenstreppe). Versuchen Sie doch mal bitte ohne Vorwissen Informationen zu bewerten und zu filtern

vollständig unbelegte Thesen (selbst ohne wagen Verweis)

  • Deutschland hängt anderen Industrinationen bei der digitalen Technik im Unterricht hinterher
  • goldene Regeln – „Account in der Cloud“… man hat Accounts auf Servern, bei Anbietern. Cloud ist einfach nur ein Marketing Begriff ohne technische Bedeutung

 

offene Aspekte

  • Erlernen sozialer Fähigkeiten (Kommunikation und Kooperation) vor dem IPad
  • Aufmerksamkeitsspanne von Schülern zwischen Analogen und Digitalen Arbeiten

 

Und hier noch ein Vortrag zur gegenteiligen Standpunkt von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer an der DHBW Stuttgart zu Digitale Demenz.

Falls ich wieder Erwarten auf meine launische Zusammenschrift von der Redaktion eine Antwort erhalte, gibt es hier en Update.

[02.01.15]

Mit freundlicher Genehmigung folgt die Antwort vom GEO Autor:

Sehr geehrter Herr Dorn, 
herzlichen Dank für Ihre Zuschrift zu unserer Titelgeschichte. Zunächst muss ich mich für die späte Antwort entschuldigen, über die Feiertage bin ich mit dem Lesen meiner Mails etwas in Verzug geraten. 
Sie haben sicher Recht, dass unser Beitrag sehr breit angelegt war, was uns angesichts der Komplexität des Themas angemessen schien. Einfacher wäre es sicher gewesen, einen Einzelaspekt herauszugreifen und zu vertiefen – sagen wir, uns nur auf das Thema Informatikunterricht zu konzentrieren –, doch das wäre dem Gesamtanspruch der Titelgeschichte nicht gerecht geworden. Diesem Aspekt sind gewisse Verallgemeinerungen („deutsche Lehrpläne“) geschuldet. Natürlich haben Sie Recht, dass es Forschung zum Thema gibt, aber eben vergleichsweise wenig belastbare Wirkungsforschung. Was wir für relevant hielten, haben wir verwendet und mit den Autoren dieser Studien gesprochen (z.B. Prof. Guido Schwerdt). Ich denke nicht, dass sich aus unserem Beitrag die Schlussfolgerung ziehen ließ, Wissen würde nicht mehr benötigt – gemeint war eher, dass die Einordnung von Information wichtiger wird als die pure Information, die tatsächlich überall verfügbar ist. 
Wie dringend das Thema ist, zeigt nicht zuletzt die aktuelle ICILS-Studie, die zum Schluss kommt, dass sich deutsche Schüler nur „mittelmäßig“ mit Computern auskennen.
http://www.bmbf.de/de/25291.php
Für einen Industriestandort halte ich das tatsächlich für bedenklich, und das Thema daher für dringend. 
Herzlichen Gruß und alles Gute fürs neue Jahr,
Jürgen Schaefer

 

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