Abstract: Störungen in der Schulklasse: Ein Leitfaden zur Vorbeugung und Konfliktlösung von Hans-Peter Nolting

Im Folgenden die Zusammenfassung des Buches Störungen in der Schulklasse: Ein Leitfaden zur Vorbeugung und Konfliktlösung von Hans-Peter Nolting.
Kursive Inhalte sind direkte Zitate aus dem Buch. [Anmerkungen] von mir stehen in eckigen Klammern.
Kapitel 1 und 2 sind top und hier ausführlich zusammengefasst. Nach einer theoretischen Hinführung werden die Forschungsergebnisse von Jacob Kounin dargestellt.
Kapitel 3 beschreibt aus meiner Sicht einen Ansatz, der heute auch Gamification genannt wird. Durch extrinsische Motivation (Punkte sammeln, Prämien erhalten, „Lebenspunkte“ verlieren etc.) soll der Schüler das erwünschte Verhalten zeigen. Das steht aus meiner Sicht nur in geringem Zusammenhang zum Vorherigen. Persönlich sehe ich den Ansatz skeptisch, da Untersuchungen gezeigt haben, dass extrinsische Motivation eine intrinsische auslöschen kann. Das Umwandeln erscheint mir nicht so trivial wie dargestellt.
Kapitel 4 habe ich dann nur noch kurz umrissen, da hier Ansätze aus der Betriebswirtschaft bzw. Softwareentwicklung mit einem für die Lehrsituation passenden Vokabular beschrieben werden. Für reine Lehrer ist das vermutlich geeignet. Für Wirtschaftsinformatiker gibt es aber deutlich bessere (und teilweise vollständigere) Modelle. Der Grundsatz ist immer trivial: Was will ich? Wie ist die Situation? Wie komme ich zu meinem Ziel? Bin ich noch auf dem richtigen Weg? Mit leichten Abweichungen, konkreten Methoden und Fachwörtern ergibt das dann viele „innovative“ Modelle.
Störungen in der Schulklasse: Ein Leitfaden zur Vorbeugung und Konfliktlösung
von Hans-Peter Nolting
Es sei wie beim Geigenspiel: Fehler könne man benennen, hervorragendes Spiel erscheine dagegen leicht und mühelos. Und genauso falle Außenstehenden kaum auf, wie eine Lehrkraft eine flüssige, glatte Unterrichtsführung zustande bringe; es sehe fast so aus, als ob sie »nichts mache«.
Kapitel 1
1.1 Ein folgenreiches Problem
Lehrer werden in der Ausbildung nicht auf die Klassenführung vorbereitet. Dadurch agieren Lehrer eher nach Vorbildern oder nach eigenem Temperament. Wissenschaftliche Ansätze werden so nicht konsequent umgesetzt.
Arten von Störungen:
- aktive Unterrichtsstörungen: Schüler schwatzen, reden ohne Meldung
- passive Unterrichtsstörungen: Mangel an Aktivität und Teilnahme oder das Vergessen von Materialien bzw. Hausaufgaben
- Störungen der Schüler-Schüler-Interaktion: Störungen innerhalb der Klasse können zuweilen in den Unterricht hineinwirken
Definitionen:
- Normative Definition: Unterrichtsstörungen sind Handlungen von Schülern, die gegen Regeln für das Verhalten im Unterricht verstoßen. Ob eine Störung vorliegt oder nicht, hängt hier letztlich von der Lehrkraft ab; sie bestimmt die Regeln und bewertet das Verhalten. […]
- Funktionale Definition: Unterrichtsstörungen sind Handlungen, welche die von einer Lehrkraft beabsichtigte Unterrichtsdurchführung behindern, und zwar, (a) indem sie andere Personen, nämlich die Lehrkraft oder die Mitschüler, in ihren aufgabenbezogenen Aktivitäten beeinträchtigen, und/oder, (b) indem sie die eigene aufgabenbezogene Aufmerksamkeit und Mitarbeit beeinträchtigen.
Nach der funktionalen Definition kann auch die Lehrkraft für die Störung verantwortlich sein, wenn sie den Unterricht beispielsweise für langatmige Ermahnungen unterbricht.
Störungen sind interpersonelle oder intrapersonelle Konflikte. Ein Konflikt ist keine Konfrontation.
Der Unterrichtserfolg hängt entscheidend davon ab, wie lange sich Schüler mit den Lernaufgaben beschäftigen, also die Unterrichtszeit aktiv nutzen. Dadurch ist das Thema Unterrichtsstörung wichtiger als die Anzahl der ausgefallenen Unterrichtsstunden.
1.2 Allerlei Gründe – und Vereinfachungen
Blickrichtungen für Gründe:
- die Schule als Institution
- Störungen in der Schule lassen sich nicht beheben, da sie institutionell durch die Organisation der Schule gegeben sind (Klassen, Unterrichtsstunden und -zeiten etc.)
- demgegenüber steht, dass das Klassenverhalten bei verschiedenen Lehrern äußerst unterschiedlich sein kann
- die Schüler (einzeln oder als Klasse)
- bei der Betrachtung Einzelner darf die Gesamtsituation nicht vernachlässigt werden (Fach, Unterrichtsform oder Art der Aufgabe, interpersonelle Einflüsse wie Mitschüler oder Lehrkraft)
- das Lehrerverhalten
- Untersuchungen zeigen, dass als einziger Faktor das Lehrerverhalten statistisch hervorsticht
Fehlannahme: Unterrichtsstörungen ließen sich durch interessanten Unterricht vermeiden. Tatsächlich können sie dadurch nicht vermieden, aber durchaus reduziert werden. Dies liegt daran, dass es immer interessantere Einflüsse geben kann oder dass auch weniger interessante Themen vermittelt werden müssen. Außerdem werden Themen teilweise erst spannend, wenn man sich ausreichend damit beschäftigt hat.
1.3 Ein Buch über Lehrerverhalten, nicht Schülerverhalten
Die Zielstellung des Buches ist eher pragmatisch. Es sollen machbare Wege diskutiert werden, die allein vom Lehrer beschritten werden können. Nach obiger Erläuterung werden hier auch die größten Gewinne erwartet.
Kapitel 2
2.1 Was hilft gegen Disziplinprobleme? Eine Umfrage unter Lehrkräften
101 Lehrer wurden gefragt, was wichtig sei, um Disziplinprobleme zu minimieren. Dabei wurden die folgenden Antworten am häufigsten genannt:
- Regeln einführen, aufstellen und einhalten
- Reaktion auf Störungen bzw. Regelverstöße
- Unterrichtsgestaltung (interessant, an der Lebenswirklichkeit orientiert etc.)
- Gestaltung der sozialemotionalen Beziehungen (Schüler ernst nehmen, positives Klima schaffen, gute Beziehung zu den Schülern aufbauen)
2.2 Worauf kommt es tatsächlich an? Geschichten aus der Forschung
Jacob Kounins unerwartete Befunde
Auf der Suche nach effektiven Disziplinierungsmaßnahmen stellte sich heraus, dass identische Maßnahmen in verschiedenen Szenarien vollkommen gegensätzliche Ergebnisse erzielten. Durch Videobeobachtungen wurden stattdessen die folgenden vier Dimensionen für einen Unterricht mit möglichst wenigen Disziplinproblemen gefunden:
withitness and overlapping (Allgegenwärtigkeit und Überlappung)
Es muss rechtzeitig reagiert werden, und es müssen die richtigen Schüler angesprochen werden. Dies soll parallel zum regulären Unterrichtsverlauf passieren, sich also quasi mit diesem überlappen.
Allgegenwärtigkeit meint, dass die Lehrperson Augen im Hinterkopf hat.
Die Lehrperson soll Störfälle quasi bereits im Keim erkennen und auf diese Störungen reagieren, während sie sich mit anderem beschäftigt (vorträgt oder einzelnen Schülern hilft). Dazu kann es auch notwendig sein, die aktuelle Tätigkeit zu unterbrechen, dann aber didaktisch so, dass bei den nicht betroffenen Schülern kein Leerlauf entsteht.
smoothness and momentum (Reibungslosigkeit und Schwung)
Damit ist gemeint, dass der Unterricht nicht wegen belangloser Reize oder durch Sprunghaftigkeit im Thema unterbrochen wird (marginale, nicht störende Regelverstöße oder etwa spontane organisatorische Ansagen).
group focus (Aufrechterhaltung des Gruppenfokus)
Die Aufmerksamkeit möglichst vieler Schüler aktivieren, auch derer, die nicht dran sind:
Gruppenmobilisierung – Fragen direkt an alle, im Plural an die Klasse stellen. Dadurch müssen alle Schüler damit rechnen, antworten zu müssen.
Rechenschaftsprinzip – das Ergebnis wird bei mehreren Schülern kontrolliert. Es kommen nicht nur wenige, sondern viele Schüler im Unterricht dran, und es werden die Ergebnisse mehrerer Schüler überprüft (etwa durch Herumgehen oder Hochhalten der Lösungen).
programmierten Überdruss vermeiden [Wird in anderer Literatur (1) (2) nicht genannt, Anm. Dorn]
stimulierende Anstöße an Überleitungsstellen („Aufgepasst, jetzt wird es lustig“)
Abwechslung in den Aktivitäten
Diese Dimension hat keine so große Auswirkung wie die anderen (Lebensnähe, Schwierigkeitsgrad etc. wurden nicht ausreichend untersucht).
Fazit
Abschließend wird festgestellt, dass die Frage nicht „Was tue ich, wenn …?“ lautet, sondern „Was tue ich, damit nicht …?“
Bestätigungen und Ergänzungen
In diesem Kapitel werden unterstützende Untersuchungen genannt. Eine wichtige Ergänzung sind beständige Ordnungsstrukturen. Diese werden durch Regeln geschaffen. Ebenso gehören dazu organisatorische Vorbereitungen, die eine problemlose Unterrichtsdurchführung ermöglichen (Aspekte der Prä-Interaktion).
Rückblick auf populäre Täuschungen
Auch wenn Maßnahmen sofort wirken, muss dies kein langfristiger Erfolg sein. So erzeugt etwa heftiges Zurechtweisen ein Gefühl von Unbehagen und Peinlichkeit sowie Erleichterung bei Unbetroffenen. Gerade bei jungen Schülern entstehen so Verhaltensbrüche (besorgte Gesichter, Unterbrechung der Arbeit).
In der obigen Untersuchung konnte darüber hinaus nicht gezeigt werden, dass Disziplinprobleme mit der Größe der Klasse zusammenhängen. Dies lässt sich daran veranschaulichen, dass etwa Eltern schon mit der Minimalklasse (nur ihrem eigenen Kind) überfordert sind.
Ausblick auf effektive Praxis
Vorschau auf vier disziplinarrelevante Bereiche des Lehrerverhaltens:
- Vorausplanende Prävention durch Regeln und Organisation:
- Etablierung eines überdauernden Ordnungssystems, Vorbereitung von Unterrichtsabläufen.
- Prävention durch breite Aktivierung:
- Akzent liegt auf der Unterrichtsführung bzw. dem Lernmanagement mit dem Ziel der Klassenaktivierung.
- Prävention durch Unterrichtsfluss:
- Akzent liegt auf der Vermeidung eigener Unterbrechungen des eigentlichen Unterrichts.
- Prävention durch Präsenz- und Stoppsignale:
- Akzent liegt auf der Überwachung und Beeinflussung der Schüler/innen hinsichtlich regelgerechten Verhaltens
2.3 Prävention durch Regeln und Organisation
Die Einführung von Regeln
Regeln müssen nicht nur bekannt gemacht, sondern teilweise auch gut eingeübt werden (etwa das Aufräumen im Kunstunterricht oder das Arbeiten mit dem Mikroskop).
„rules and procedures“ im englischsprachigen classroom management (Verhaltens- und Verfahrensregeln):
- Verhaltensregeln: Erwartungen an das soziale Verhalten (Hilfsbereitschaft, störungsfreie Mitarbeit usw.)
- Verfahrensregeln: konkrete Vorgaben für bestimmte Abläufe in speziellen Situationen (Wann darf man aufstehen? Was gilt zu Beginn des Unterrichts?)
Regeln sollten am allerbesten für die gesamte Schule oder wenigstens für eine Klasse von allen Lehrern abgestimmt sein.
Meta-Regeln für das Einführen von Regeln:
- so wenige wie möglich,
- so einsichtig wie möglich – Schüler sollten die Regeln verstehen und so die Ermahnungen auch als fair empfinden,
- so positiv wie möglich: Gebote statt Verbote aussprechen (Beispiel: „nur leise flüstern“ statt „die anderen nicht stören“)
Schüler sollten an der Einführung von Regeln beteiligt werden. Zumindest sollten die Regeln mit ihnen diskutiert werden, indem sie mit einem Problem konfrontiert werden, für das es eine Lösung braucht.
Regeln sollten möglichst frühzeitig eingeführt werden, aber nicht alle auf einmal. Regeln müssen gegebenenfalls diskutiert, revidiert und manchmal abgeschafft werden.
Anreize für die Einhaltung und Sanktionen für Verstöße klarstellen.
Eigene Regeln wirklich ernst nehmen
Es ist fatal, wenn Lehrer die eigenen Regeln nicht so ernst nehmen, wie sie klingen.
So darf man sich nicht mit halben Erfolgen zufriedengeben, wenn die Lautstärke nur absinkt. Mit einer Übertönungsstrategie stellt man die Regeln gegen Unruhe faktisch infrage.
Gute Organisation
Gestaltung des Klassenraums
- alle Bereiche müssen für die Lehrkraft überschaubar sein
- sie muss sich zwischen den Tischen bewegen können
- benötigte Geräte müssen funktionieren
- benötigte Materialien müssen zur Verfügung stehen
Planung methodischer und organisatorischer Abläufe
- Wie werden Übergänge zwischen verschiedenen Unterrichtselementen gesichert?
- Wie werden Schüler mit unterschiedlichem Leistungsstand gleichermaßen gut beschäftigt?
- Wie können kleine Leistungskontrollen eingebaut werden? Wie können organisatorische Aufgaben, die nicht zum Unterrichtsinhalt gehören, mit möglichst wenigen Unterbrechungen umgesetzt werden?
2.4 Prävention durch breite Aktivierung
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Aktivierung durch Anregen |
Schülerverhalten |
Aktivierung durch Reagieren |
||
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Darbieten, Fragen oder Aufgaben stellen, nonverbale Stimuli |
→ |
Lerntätigkeiten |
→ |
Aufnehmen, Kontrollieren, Bewerten |
Kollektive Aktivierung statt Aktivierung Einzelner (Beispiel für Letzteres: Ein Schüler arbeitet allein an der Tafel, oder die Lehrkraft beschäftigt sich ausschließlich mit schwachen oder mit leistungsstarken einzelnen Schülern bzw. Gruppen).
Anregende Darbietung
interessante Themen, an Erfahrungen der Schüler anknüpfen, etwas Rätselhaftes einflechten, öfter die Methode wechseln, lebendig sprechen, verschiedene Medien einsetzen
Inhalte sollten auch über das Ausdrucksverhalten wie Stimme, Mimik, Gestik und die Bewegung im Raum unterstrichen werden.
Rund ums Frageverhalten
Fragen sollen möglichst viele Schüler ansprechen und herausfordern. Es muss auch Zeit zum Nachdenken gegeben werden, um langsameren Schülern Zeit zu lassen. Dies kann unter anderem dadurch erreicht werden, dass die Schüler aufgefordert werden, sich für die Antwort Notizen zu machen. Zwischenrufe sollten nicht angenommen werden, wenn vereinbart wurde, dass man sich vor einer Antwort melden muss.
Vier Fragetypen:
- reproduktive Gedächtnisfragen (Wie lautet der Fachausdruck für …?)
- konvergente Denkfragen, die bestimmte Schlussfolgerungen verlangen (Wie kann man diesen Flächeninhalt berechnen?)
- divergente Denkfragen, für die es ganz unterschiedliche Lösungen gibt (Welchen Titel könnte man diesem Bild geben?)
- evaluative Fragen, die eine Stellungnahme verlangen (Sollte man diese Schokolade essen?)
Es sollten auch Schüler drangenommen werden, die sich nicht melden (Achtung: Prinzip nicht übertreiben, damit kein Klima der Angst bzw. Bloßstellung entsteht!).
Aktivierung bei Stillarbeit und Gruppenarbeit
Aufgaben sollten mit Anstrengung lösbar sein. Nach Möglichkeit sollte die Gesamtaufgabe aus Teilaufgaben unterschiedlicher Schwierigkeit bestehen, sodass für jeden etwas dabei ist. Gegebenenfalls sollten Zusatzaufgaben angeboten werden.
Instruktionen für die Stillarbeit müssen präzise und schriftlich dokumentiert sein.
Bei der Stillarbeit sollte eine breite Kontrolle stattfinden, etwa indem einzelne Hefte kontrolliert oder einzelne Arbeiten eingesammelt werden.
Bei Gruppenarbeit muss sich die Aufgabe zur Bearbeitung in einer Gruppe eignen. Das Ergebnis kann gegebenenfalls mit Basis- und Expertengruppen evaluiert werden.
Motivierende Rückmeldungen
Im Idealfall findet eine intrinsische Belohnung für korrektes Handeln statt. Diese kann durch den Lehrer auch extrinsisch ersetzt oder gegebenenfalls verstärkt [?] werden.
Lob soll an das jeweilige Leistungsniveau des Einzelnen angepasst sein.
Misserfolge sollten auf den Faktor Anstrengung zurückgeführt werden, da dieser durch den Schüler beeinflussbar ist.
2.5 Prävention durch Unterrichtsfluss
Es sollte vermieden werden, Teile der Klasse warten zu lassen, bis es weitergeht.
Wartezeiten vermeiden
Das Klären organisatorischer Fragen und das Austeilen von Arbeitsmaterialien sollen zeitlich minimiert werden.
Wer fertig ist, sollte wissen, was er stattdessen tun kann.
Leistet der Lehrer Unterstützung, so darf er diese nicht unterbrechen, um woanders Unterstützung zu leisten, ohne der ersten Gruppe eine Möglichkeit zur Zwischenarbeit gegeben zu haben. Sonst wird der Eindruck vermittelt, dass diese für die Zeit seiner Abwesenheit keinen Unterricht hätte.
Eigene „Störungen“ unterlassen
Langatmige Zurechtweisungen nach marginalen Unterrichtsstörungen behindern den Unterricht zusätzlich. Diese Unterrichtsstörungen sollten entweder ignoriert oder am Ende der Stunde besprochen werden.
2.6 Prävention durch Präsenz- und Stoppsignale
Signale müssen frühzeitig gesendet werden, um Störungen im Keim zu ersticken.
Nonverbale Signale
sich einen Überblick über den Raum verschaffen und dies signalisieren, Positionswechsel im Raum, sich beim Schreiben an der Tafel umdrehen und die Klasse betrachten, bei einem Gespräch mit Einzelnen trotzdem alle anschauen, Störungen durch Antippen oder Handbewegungen beenden, auf störende Schüler zugehen (dies erfordert die Überlappung zweier Tätigkeiten, verbal und nonverbal)
Verbale Signale
- lediglich den Namen des Störers aussprechen oder anschreiben
- konkrete Aufforderungen aussprechen („Hör mir zu!“)
- Schüler direkt zum Thema drannehmen und einbeziehen (möglichst ohne sie bloßzustellen)
Begrenzen und Bekräftigen: [Link]
- freundlicher Ton
- Anordnung in Form einer Bitte
- frühzeitiges Eingreifen
- definierte Toleranzgrenze
- anfangs häufiges Eingreifen
- Beachtung aller Schüler (jeder muss die Regel einhalten; jeden gesondert anzusprechen, lohnt sich erst mittelfristig)
- Bekräftigung des erwünschten Zustandes
Lediglich beim zweiten und siebten Punkt erfolgt eine verbale Äußerung.
2.7 Was kann man erwarten?
Defizite in einzelnen Bereichen können durch Stärken in anderen ausgeglichen werden.
Verhaltensänderungen lassen sich nicht sofort umsetzen, wenn sich das bestehende Verhalten eingeschliffen hat. Hier sind markante Änderungsmerkmale notwendig.
Kapitel 3
3.1 Umgang mit akuten Konflikten
Grundmuster für viele Situationen
- direkte Aufforderung oder Bitte, ggf. mit Begründung (Sinnhaftigkeit der Regel)
- ggf. statt einer Aufforderung um Vorschläge bitten
- Fragen zum Geschehen stellen
- Schuldzuweisungen beenden
- Vorgang übergehen und ggf. später ansprechen
Ziel ist es immer, möglichst schnell wieder in das Unterrichtsgeschehen einzuscheren.
Akutreaktionen sind nicht immer Konfliktlösungen
Kurzfristige Lösungen wie Kollektivstrafen oder Noten beheben das Problem nicht dauerhaft.
3.2 Wiederkehrende Konflikte: Erst verstehen, dann handeln
Nützliche Fragen für eine Minimaldiagnose
- Welches Verhalten?
- Wer alles zeigt dieses Verhalten? [Stakeholderanalyse] Welches Verhalten wurde typischerweise erwartet?
- Wo und wann tritt das Verhalten auf?
- Wem gegenüber und zusammen mit wem tritt das Verhalten auf?
- Welche Vorgeschichte hat das Problem?
- Selbstreflexion (Warum macht mir das etwas aus?)
Einfache diagnostische Hilfen: Von Beschreibung bis Befragung
Objektiv bleiben, Perspektive wechseln etc. [objektive Sachanalyse]
3.3 Maßnahmen gegenüber der Klasse
Regeln klarstellen
Regeln müssen aktiv kommuniziert werden; sie können nicht einfach als selbstverständlich vorausgesetzt werden.
Anreize für die Klasse
Belohnung statt Bestrafung (Einzelner oder der ganzen Klasse) [starker Gamification-Ansatz!]
- Spielzeit am Ende der Stunde oder des Tages.
- Beginn der Hausaufgaben bereits in der Schule, wenn der Unterricht problemlos verlief.
- Entlastung von Hausaufgaben.
- Sternchen und andere Formen von Gutpunkten (bei jüngeren Kindern).
- Unbeliebte Aufgaben vor beliebteren durchnehmen, sodass die beliebtere Methode bei zu vielen Störungen in Zeitnot gerät.
Bestrafung wird hier als Wegfall von Belohnung gesehen.
Belohnungen ausklingen lassen:
- Sammeln für größere Belohnungen (Horizont immer weiter nach hinten verschieben)
- gesammelte Belohnungen unregelmäßig/unvorhersehbar gewähren [Wird damit nicht die Selbstwirksamkeit untergraben?]
- [Anforderungen erhöhen]
3.4 Maßnahmen gegenüber Einzelnen
Eher Anreize als Strafen
Analog zu 3.3, nur anders beschrieben.
Einzelgespräche: Wie führt man die?
tl;dr – im Ergebnis die Grundregeln der Gewaltfreien Kommunikation anwenden.
Kapitel 4
4.1 Konfliktlösung durch Gespräch
Klassengespräche nach Gordon
Modell, das den DMAIC-Zyklus in der Schule abbildet:
- Stufe I: Definition des Problems (Konflikts);
- Stufe II: Sammlung möglicher Lösungen;
- Stufe III: Wertung der Lösungsvorschläge;
- Stufe IV: die Entscheidung;
- Stufe V: Realisierung der Entscheidung;
- Stufe VI: Beurteilung des Erfolgs.
Stufe IV ist bei DMAIC in Improve (hier Stufe V) enthalten.
Fallbeispiel: Unruhe – nicht zusammenfassbar
Regelmäßige Gesprächsrunden, Klassenrat
4.2 Gemeinsame Konfliktlösung als Klassenprojekt
Die kooperative Methode nach Redlich & Schley
Unvollständige Implementierung des PDCA-Zyklus:
- kooperative Diagnose bzw. gemeinsame Klärung
- kooperative Planung
- kooperative Intervention
Die Check-Phase sollte aus wirtschaftlicher Sicht niemals übersprungen werden, da sonst falsche bzw. nicht realisierbare Entscheidungen nicht rechtzeitig erkannt werden.
Nützliche Vorgehensweisen neben dem Gespräch
- Fragebogen
- Selbstbeobachtung
- Verträge
- Anreize
- Schaubilder – Verlauf des Gesprächs darstellen.
Große Fallgeschichte: Schlechte Mitarbeit, allerlei Chaos – nicht zusammenfassbar
Fallbeispiele: Fehlende Hausaufgaben; schwieriger Unterrichtsbeginn – nicht zusammenfassbar
4.3 Aggressionsverminderung durch schulweite Kooperation
tl;dr – Ich hatte bisher keine Berührungspunkte damit und habe es daher überblättert. Es schien recht wenig strukturiert zu sein.
Gliederung des Kapitels:
- Aggressives Verhalten und das Kernproblem Mobbing
- Maßnahmen auf den Ebenen Schule und Klasse
- Ergänzend: Maßnahmen gegenüber Einzelnen